… sagt die Kollegin über den verwirrten Patienten im Hospiz.

Stimmt das wirklich?

So sieht seine Situation aus:
Der Patient, Ende 70, ist bei uns wegen eines Prostata-Carzinoms. Er vergisst Informationen, verlegt Gegenstände, scheint oft vor sich hinzuträumen, anstatt zuzuhören, spricht ohne Zusammenhang, folgt Aufforderungen nicht.

Was kann er?

Und was versteht er?

âť“Das sind Fragen, die jetzt zu stellen sind. Denn: Kein Mensch ist eine Insel (John Donne).

Wer kann sich auf wen zubewegen?

Wenn wir weiterhin so mit ihm kommunizieren, wie wir es gewohnt sind, wird er nicht erreichbar sein. Es wird kein Kontakt entstehen.

Antworten auf die Fragen nach seinen Kompetenzen der Kommunikation:

– Er kann sehen, allerdings wendet er nicht den Blick auf Ansprache zu.

– Er schaut oft ins Leere.

– Er kann zeigen, wenn er etwas als unangenehm empfindet, indem er z.B. die Hand wegzieht, das Gesicht anspannt oder einen Laut von sich gibt.

– Er kann hören, aber oft nicht verstehen, was man sagt.

– Allerdings ist er auch nicht schwerhörig.

Was bedeutet das fĂĽr die Kommunikation mit ihm?

1. Wir sprechen bereits auf dem Weg zu seinem Rollstuhl hin.
— So wird er nicht erschrecken, wenn wir auf einmal in seinem Blickfeld auftauchen

2. Wir suchen aktiv seinen Blick. DafĂĽr hocken wir uns manchmal sogar hin.
— Denn er hat seine Fähigkeiten zu kognitiver Koordination eingebüßt, kann seinen Blick auf Ansprache nicht mehr zuwenden. Sein ins Leere gerichteter Blick ist kein Ausdruck von Ablehnung, sondern davon, dass er sich nicht gemeint gefühlt hat.

3. Wir achten darauf, ihn nicht lauter anzusprechen, denn er ist ja nicht schwerhörig.
— Niemand mag es, angebrüllt zu werden.

4. Wenn wir seinen Blick gefunden haben, schenken wir ihm Zeit, uns zu erkennen. Natürlich mit einem freundlichen Gesicht. Dann kommt oftmals ein Lächeln von ihm.
— Jetzt haben wir ihn erreicht, Kontakt ist entstanden.

5. Erst jetzt geben wir ihm eine Information.
— Erst, wenn er eine Kontaktreaktion gezeigt hat, kann er Inhalte verstehen und darauf reagieren.

6. Unsere Sätze sind kurz. Sie enden mit einer Pause.
— Wir passen uns an seine Möglichkeiten des Verstehens an, sind klar und reduziert.

7. Wenn es weder ein Ja noch ein Nein von ihm gibt, machen wir ihm sichtbar, was wir meinen: wir nutzen dafür unsere Gestik, langsam und präzise.
— Er bekommt zum Wort etwas Sichtbares hinzu. Und kann erfahren: „Ich sehe, was ich höre. So kann ich es verstehen. Wenn ich verstehe, kann ich reageren.“

Durch unsere Kommunikation befähigen wir ihn oder rauben ihm letzte Möglichkeiten des Verstehens und der Beteiligung.

Wenn wir wissen, wie.

➡️ Wir trainieren Gesundheitsberufe in #KommunikationOhneWorte.

Damit niemand mehr sagen muss: Der Patient ist nicht erreichbar.

Damit wir in Verbindung treten und einander verstehen können.

Denn der Körper spricht.